Transport in Richtung Nordsee: Frachtkahn mit Buckelwal verlässt Wismarer Bucht
Das Drama um den Buckelwal nähert sich seinem Ende: Das wochenlang vor der Ostseeinsel Poel liegende Tier ist am Dienstagnachmittag in einen Frachtkahn geschwommen, mit dem es aufs offene Meer gebracht werden soll. Auf Livebildern war zu sehen, wie Helfer den Wal in die sogenannte Barge dirigierten. Am Abend wurde der Kahn mit dem Wal darin dann aus der Wismarer Bucht gezogen.
Das angeschlagene Tier soll in dem Kahn in Richtung Nordsee beziehungsweise Atlantik geschleppt werden. Bei der von zwei Unternehmern finanzierten Privatinitiative handelt es sich um einen letzten Rettungsversuch für den von Experten schon aufgegebenen Meeressäuger. Viele nicht beteiligte Fachleuten lehnen ihn als sinnlos ab, die Behörden dulden ihn aber.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) bezog sich auf diese Kritik, als er am Nachmittag sagte: "Wir haben hier Tag und Nacht gearbeitet, auch zusammengearbeitet - und wir haben am Ende dieses Tier gerettet." Nun müsse die Aktion in Ruhe ausgewertet werden.
Der Minister will dabei "nach vorn" denken. "Wie gehen wir mit der Umwelt um? Wie gehen wir mit unseren Weltmeeren um? Wie gehen wir mit Tieren um?", fragte er. Bei der Umweltministerkonferenz Anfang Mai wolle sein Land einen Antrag stellen, "wie wir das in der Zukunft besser organisieren, wenn sowas wiederkommt".
Backhaus erzählte, dass er auf dem Schiff geweint habe. "Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf dem letzten Meter mitzuhelfen." Es sei schon ein "Glücksmoment".
Die Beteiligten der privaten Rettungsinitiative zeigten sich erleichtert. "Natürlich freuen wir uns alle wahnsinnig", sagte Tierärztin Kirsten Tönnies. Es sei "unglaublich berührend" gewesen. Das Tier sei aus eigener Kraft in die Barge geschwommen, ergänzte Fred Babbel, Leiter des Arbeiter- und Taucherteams der Initiative. Ihm sei "ein großer Stein vom Herzen" gefallen.
Das Drama um den Wal wird im In- und Ausland mit großer Anteilnahme verfolgt. Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach, zudem verfing er sich in Netzen. Seit vier Wochen lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht auf Grund.
P.Mathieu--JdB