Journal De Bruxelles - Papst Leo XIV. warnt in Enzyklika vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI

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Papst Leo XIV. warnt in Enzyklika vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI
Papst Leo XIV. warnt in Enzyklika vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI / Foto: Alberto PIZZOLI - AFP

Papst Leo XIV. warnt in Enzyklika vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI

In seiner ersten Enzyklika zur Künstlichen Intelligenz (KI) hat Papst Leo XIV. zur "Entwaffnung" dieser neuen Technologie aufgerufen und vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI gewarnt. "KI zu entwaffnen bedeutet, sie der Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen", heißt es in dem am Montag veröffentlichten Lehrschreiben "Magnifica Humanitas". Bei der Vorstellung der Enzyklika im Vatikan war neben anderen KI-Experten auch der Mitgründer des US-Unternehmens Anthropic, Christopher Olah, an der Seite des Oberhauptes der katholischen Kirche.

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Leo XIV. kritisiert in der 130 Seiten umfassenden Schrift "ein Wettrennen um den leistungsfähigsten Algorithmus und die größte Datenbank", um einen "geopolitischen oder kommerziellen Vorsprung" zu erzielen. "Entwaffnen bedeutet nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrscht", mahnte der Papst. KI solle "menschenfreundlich", für alle zugänglich und offen für Diskussionen und Debatten sein.

Mit der Enzyklika zeigt der Papst, welche Bedeutung er der KI beimisst. Die Schrift ist Grundlage für die katholische Lehre und für eine langfristige Auseinandersetzung mit dem Thema. Leo XIV. zitiert darin nicht nur den griechischen Philosophen Platon, den Maler Pablo Picasso oder Ludwig van Beethoven, sondern auch eine Figur aus JRR Tolkiens Saga "Herr der Ringe". Die Veröffentlichung erfolgt nach mehreren Jahren kirchlicher Studien zu dem Thema, schon 2020 hatte der Vatikan den "Römischen Aufruf für KI-Ethik" veröffentlicht.

Leo XIV. warnte nun vor "neuen Formen der Sklaverei" durch KI und den digitalen Wandel. Mehr Effizienz oder Innovation sei keine Rechtfertigung für "eine Kette der Ausbeutung, die absichtlich im Verborgenen gehalten wird". Es müsse auch mehr getan werden, um die Umweltschäden durch KI zu verringern und "unser gemeinsames Haus zu schützen", forderte der Papst. In einigen Weltregionen arbeiteten Kinder und Jugendliche unter gefährlichen Bedingungen, um seltene Erden zu schürfen. "Gezeichnete, verstümmelte und ausgelaugte Körper, damit der Rechenfluss nicht unterbrochen wird", prangerte der Papst an.

In diesem Zusammenhang bat Leo XIV. um Entschuldigung dafür, dass die katholische Kirche jahrhundertelang gezögert habe, die Sklaverei zu verdammen. Er verwies darauf, dass die Kirche bis ins Mittelalter selbst Sklaven gehalten habe. Erst im 19. Jahrhundert sei eine "formelle, absolute und universelle Verurteilung der Sklaverei eindeutig formuliert" worden, schrieb der Papst. "Das stellt eine Wunde in der christlichen Erinnerung dar, von der wir uns nicht als gelöst betrachtet können."

Anthropic-Mitgründer Olah begrüßte die Einlassungen von Außenstehenden wie der Kirche, um die Dinge "in eine bessere Richtung zu lenken." Die durch KI aufgeworfenen Fragen seien "größer als die Gemeinschaft der KI-Forschenden". KI-Unternehmen operierten "innerhalb eines Rahmens von Anreizen und Einschränkungen, die manchmal im Widerspruch dazu stehen können, das Richtige zu tun."

Das US-Verteidigungsministerium streitet mit Anthropic über die uneingeschränkte militärische Nutzung der KI-Technologie des Konzerns. Dies hat das Unternehmen dem Pentagon verweigert. Zur Begründung erklärte Anthropic, es wolle seine KI-Technologie nicht wie von der Regierung gewünscht für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen lassen. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin in einem beispiellosen Schritt als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" ein.

Der Papst geht in seiner Enzyklika auch auf die KI-gestützte Waffensysteme ein: Es sei "nicht zulässig, todbringende Entscheidungen" der Technik zu überlassen. Das katholische Kirchenoberhaupt rief zudem dazu auf, die Theorie des "gerechten Krieges" zu überwinden, auf die sich etwa die rechtsgerichtete US-Regierung von Präsident Donald Trump bezieht.

Trump hatte zuletzt wütend auf Friedensaufrufe des aus den USA stammenden Papstes reagiert und ihm mit Blick auf den Iran vorgeworfen, sich mit einem Land gemein zu machen, "das eine Atomwaffe will". Leo XIV. bezeichnete in der Vergangenheit zudem den Umgang mit Migranten in den USA als "äußerst respektlos" und forderte einen "menschlichen" Umgang.

E.Goossens--JdB