Mindestens neun Tote in der Ukraine bei russischen Angriffen
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind nach Behördenangaben am Donnerstag mindestens neun Menschen getötet worden. Vier weitere Menschen wurden ebenfalls tot in den Trümmern eines Wohnhauses vermutet, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte der Nachrichtenagentur AFP. Unter den insgesamt wohl 13 Toten sind den Angaben zufolge sieben Kinder. Im benachbarten Polen schlug offenbar ein russsicher Marschflugkörper ein und hinterließ einen Krater. Die Ukraine griff derweil zwei Logistikzentren des russischen Onlineriesen Wildberries mit Drohnen an.
Eine von Russland abgefeuerte Rakete traf ein Wohnhaus in der Nähe der Stadt Krywyj Rih im Zentrum der Ukraine, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Drei Erwachsene und drei Kinder derselben Familie seien getötet worden. Vier weitere Kinder wurden tot in den Trümmern vermutet, das jüngste von ihnen eineinhalb Jahre alt.
Zwei weitere Kinder hätten lebend geborgen werden können, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. "Es war ein ganz normales Haus, das von einer ballistischen Rakete in Stücke gerissen wurde", fügte Selenskyj hinzu. Krywyj Rih ist die Heimatstadt des Präsidenten.
Bei Angriffen auf die Hauptstadt Kiew, die Stadt Lwiw im Westen des Landes und in der ostukrainischen Region Poltawa wurden Behördenangaben zufolge insgesamt drei weitere Menschen getötet. Dutzende weitere wurden verletzt.
Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete in der Nacht zum Donnerstag von mehreren Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, Russland greife Kiew mit ballistischen Raketen an.
Mehr als 56.000 Menschen suchten in der Nacht Zuflucht in den U-Bahnstationen der Hauptstadt, die seit Beginn des Krieges als Bunker dienen. "Ich will leben", sagte die 27-Jährige Galyna Doschuk der Nachrichtenagentur AFP. "Manchmal kommt uns der Nachbar in die Quere", fügte sie mit Blick auf Russland hinzu.
Präsident Selenskyj hatte schon am Mittwoch vor einem drohenden "massiven" russischen Angriff gewarnt. Er rief zudem die USA und weitere westliche Verbündete der Ukraine dazu auf, Patriot-Luftabwehrraketen zu liefern. Kiew benötigt diese zur Abwehr von russischen Angriffen mit ballistischen Raketen. Am Dienstag hatte Selenskyj in Washington mit US-Präsident Donald Trump über das Patriot-Abwehrsystem gesprochen.
Nach der massiven Angriffswelle erneuerte Selenskyj seinen Aufruf an die Verbündeten, Abfangraketen zu liefern. "Dieser russische Terror beweist einmal mehr, dass der Schutz vor der russischen Raketenbedrohung das Wichtigste ist", erklärte er. Die Ukraine stehe vor einem "kritischen Mangel an Luftabwehrraketen von unseren Partnern".
Insgesamt griff Russland die Ukraine nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Donnerstag mit 74 Raketen und 284 Drohnen an. Die ukrainische Luftwaffe fing nach eigenen Angaben 55 Raketen und 265 Drohnen ab. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, es seien ukrainische militärisch-industrielle Komplexe sowie militärische Kommunikations- und Logistikzentren getroffen worden.
Im Nachbarland Polen erklärte die Polizei, einen zehn Meter großen Krater auf einem Feld entdeckt zu haben. Nach einer Untersuchung der Trümmerteile erklärte Regierungschef Donald Tusk, er sei wahrscheinlich von einem russischen Marschflugkörper verursacht worden. Die Einschlagstelle liegt etwa 80 Kilometer entfernt von der Grenze zur Ukraine.
Die Ukraine griff erneut Logistikzentren des Onlinehändlers Wildberries in Russland an. In der westrussischen Region Pensa sei dabei ein Mensch verletzt worden, erklärte der örtliche Gouverneur Oleg Melnitschenko. Die ukrainischen Drohnen trafen nach Unternehmensangaben auch ein weiteres Lager in Sarapul im Landesinneren, etwa 1100 Kilometer östlich von Moskau. An beiden Standorten sei ein Feuer ausgebrochen, das Personal wurde evakuiert.
Seit knapp zwei Wochen greift die Ukraine immer wieder Logistikzentren von Wildberries an. Kiew bezeichnet das Unternehmen, das für russische Verbraucher und Händler von großer Bedeutung ist, als wichtig auch für die russische Militärlogistik.
T.Moens--JdB